Im Gespräch mit Alan Dean Foster
"Ich war bereit, es nicht zu mögen."

Christian Humberg hatte die Gelegenheit, sich mit dem Filmromanautor des neuesten „Star Trek“-Films, Alan Dean Foster, zu unterhalten.

Wir alle haben in der Presse über J. J. Abrams gelesen, wir kennen seine Arbeit an „Lost“, „Fringe“ und vielen weiteren Projekten. Aber wir möchten auch dich ein wenig besser kennenlernen. Wer bist du, abgesehen von dem Schriftsteller Alan Dean Foster?
Ich wollte immer ein Entdecker, ein Wissenschaftler oder Anthropologe sein. Etwa wie Sir Richard Francis Burton, Alfred Wallace oder Alexander von Humboldt. Aber dafür lebe ich im falschen Jahrhundert. Deswegen erforsche ich in meinen Geschichten andere Welten. Darüber hinaus würde ich gerne klassische Musik schreiben, doch fehlt mir die Zeit dazu.

Und wie kamst du zu diesem Filmprojekt? Ich vermute, dass sich viele Autoren die Finger nach dem Auftrag geleckt hätten, den Roman zu einem neuen „Star Trek“-Film zu verfassen.
Der Verlag bat mich darum. Also Pocket Books, ein Ableger von Simon & Schuster.
Als ich von dem Projekt erfuhr, war ich bereit es nicht zu mögen! Dann las ich das Drehbuch. Es war ganz anders und viel interessanter als ich erwartet hatte. Und dann sah ich den Film. Ob ich einen Genrefilm, also SF oder Fantasy, weiterempfehle, hängt davon ab, ob er auch Menschen anspricht, die keinerlei Interesse an „Star Trek“ oder Science-Fiction haben. Anders gefragt: Kann er auch allein als Film bestehen? Bei „Star Trek“ ist die Antwort darauf ein klares Ja … und genau deshalb denke ich, dass er ein großer Erfolg wird. Ich glaube, diesen Film werden selbst die Leute mögen, die sich überhaupt nicht für „Star Trek“ interessieren … Er ist einfach ein guter Film.
Diese Version von „Star Trek“ hat eine Tiefe, wie sie nie zuvor versucht worden ist. Die im Drehbuch behandelten menschlichen Themen würden für ein halbes Dutzend Filme ausreichen. Egal, wie viel die Leute auch über Spezialeffekte reden mögen, ist es doch das menschliche Element, das eine Geschichte funktionieren lässt. Und zwar jede Geschichte, sei sie SF, Mystery oder etwas anderes. Was diesen Film zu einem Erfolg machen wird, sind seine Charaktere. Die Spezialeffekte sind nur der Zuckerguss auf diesem Kuchen.
Wenn uns Kirk, Spock und der ganze Rest egal sind, können auch die Spezialeffekte das nicht ausgleichen. Niemand liest die Geschichten über Old Shatterhand wegen der Spezialeffekte.

Wie ich weiß, hast du schon vorher Romanfassungen zu großen Franchise-Filmen geschrieben. Demnach kennst du die Geheimhaltung, die zu einem solchen Auftrag gehört. Kannst du uns beschreiben, wie das im Falle von „Star Trek“ war? Und unterschied sich diese Erfahrung von vorherigen aus deiner Karriere?
Die Verschwiegenheit bei diesem Projekt war noch größer als bei anderen Filmen, zu denen ich Romane geschrieben habe, zum Beispiel bei „Star Wars“ und „Alien“. Und bei letzterem ließ mich das Studio keine Fotos des Aliens sehen! Wenn du dir das Buch anschaust, wirst du merken, dass das Alien darin nie beschrieben wird. Es war wirklich schwer, das umzusetzen. Andererseits bekam ich bei „Star Trek“ den kompletten Film zu sehen, bevor ich den Roman schrieb … und das ist sehr unüblich.

Kannst du uns verraten, wie du beim Schreiben dieses Romans vorgegangen bist? Wie viel Zeit hattest du dafür? Gab es besondere Probleme, mit denen du bei diesem Projekt zu kämpfen hattest?
Ohne eine genaue Zeitangabe machen zu wollen, kann ich zugeben, dass man nie so viel Zeit bekommt, wie man gerne hätte. Das ist bei derartigen Projekten einfach so. Ebenso typisch ist es, dass der Autor kurz vor knapp noch Änderungen am Buch vornehmen muss, weil sich das Drehbuch kurz vor knapp noch ändert. Besonders, wenn man als Autor möchte, dass der Roman dem Film so sehr wie möglich entspricht.

Das war bei einem anderen Roman zu einem weiteren Genre-Blockbuster von dir ja besonders der Fall: „Terminator – Die Erlösung“. Auf deiner Website schreibst du, dass du einen großen Teil des fertigen Manuskriptes noch mal geschrieben hast, weil sich das Drehbuch stark änderte, während du schriebst. Gab es während deiner Arbeit am neuen „Star Trek“ ähnliche Erlebnisse?
Ich war nicht verpflichtet, diese Änderungen bei „Terminator – Die Erlösung“ durchzuführen, aber als Autor des Romans halte ich es für meine Pflicht dem Publikum gegenüber, ein Buch zu schreiben, das dem fertigen Film so weit wie nur möglich entspricht. Manchmal macht dich das wahnsinnig, weil die Filmemacher eine Drehbuchänderung nach der nächsten vornehmen. Außerdem habe ich, wenn ich das hinzufügen darf, noch die Romanfassung zu „Transformers – Die Rache“ und einen eigenständigen Roman geschrieben, der den Bogen vom ersten zum zweiten der „Transformers“-Filme schlägt.

Alan, wir danken für das Interview.