Im Gespräch mit David Messina
Vom Porno zu "Star Trek" ...

Während der Fed Con haben wir es uns nicht nehmen lassen mit dem Comiczeichner David Messina ein humorvolles Interview zu führen.
Im Folgenden könnt ihr Messina über Ferraris, 60-jährige Frauen und jede Menge erotischen Weltall plaudern lesen.

Thomas Dräger hat den spanisch-italienischen Zeichner mehr als nur ausgefragt, er hat ihn auch beinahe zum brutalen Kämpfen verführt!


Seit wann bist du dem Comic verfallen?
Mit 17 Jahren habe ich angefangen Comics in Italien zu zeichnen.

Bereits in der Schule?
Nein, nicht in der Schule. Wir haben eine Art Fanzine gemacht und ich habe für diverse italienische Verlage gezeichnet. Dann habe ich aufgehört in Italien zu arbeiten und angefangen in Spanien und Frankreich Comics zu machen.

Also sprichst du auch Französisch?
Ich spreche kein Französisch, ich hatte einen Manager!
Außerdem fing ich an Erotik-Comics für den französischen, spanischen und den amerikanischen Markt zu zeichnen.

Solche Comics, die man dann überall auf der Straße sieht? Horror, Western, Krimi?
Nein nein nein!

Mit mehr Anspruch?
Sehr viele nackte Mädchen, expliziter Sex ... solches Zeug eben. Während ich Erotik-Comics gezeichnet habe, arbeitete ich auch für den Indi Press und ich fing an kolorieren. Ich machte z.B. G. I. Joe, Dann traf ich Jim Lee, der ungefähr ein Jahr in Italien lebte. Jim stellte mich zuerst Alex de Campi und dann Chris Ryan vor. Nach einigen Monaten wurde Chris Editor bei IDW und beauftragte mich Bücher über Angel zu zeichnen.

Wäre Buffy für ein Erotik-Comic nicht passender?
Buffy?

„Buffy – Im Bann der Dämonen!“
Ah ja ja!

Sie ist doch ein hübsches Mädchen! Also ein Erotik Comic ...?
Ich habe Angst vor Sarah Michelle Gellar! Wenn ich Buffy in einer anzüglichen Art und Weise darstelle ... da habe ich zu sehr Angst, dass einer von ihren Anwälten mich tötet!

Also hast du angefangen dich mit „Star Trek“ zu beschäftigen?
Ungefähr ein Jahr später nachdem ich bei IDW mit Comics anfing, begann ich „Star Trek“ zu zeichnen. Ich fing allein mit Scotty, der eine lange Zeit bei IDW als Drehbuchautor gearbeitet hat an. Scotty ist ein sehr großer Fan von „Star Trek“, eben ein Oldschool-Fan. Also haben wir angefangen gemeinsam an „Die Sprache des Blutes“ zu arbeiten. Hier konzentrierten wir uns an einer der originalen Episoden. Als uns das erlaubt wurde machten wir damit weiter. Als Nächstes machte wir uns an die „Next Generation Crew“ ran und die Episode „Spiegelbilder“ und dann kam schon „Countdown“. Das Letzte kam zustande, weil J. J. Abrams meinen Comic „Die Sprache des Blutes“ mochte. Das war nicht das normale Star Trek, sondern schon etwa das, was er im Film machen wollte.

Somit öffnete sich für dich ein neues Genre. Von Erotik zu „Star Trek“?
Oh ja das war echt merkwürdig, weil in meinen vorherigen Arbeiten schob ich eher den Sexappeal von meinen weiblichen Charakteren in den Vordergrund. Als ich an Star Trek zu arbeiten anfing, hörte ich damit auf, weil da zum einen viel mehr männliche als weibliche Charaktere auftauchen und zum anderen die meisten Frauen so um die 60 waren. Das wäre dann absolut seltsam viele sexy Aspekte einzubauen. Vor allem stoppten mich die Leute von Paramount, als ich den Frauen etwas mehr Sexappeal gab.

Und was hast du dann mit 7 of 9 gemacht?
Oh! 7 of 9, ich träume davon mal was mit ihr zu zeichnen! Bei dem Gedanken rast mein Puls und ich würde sie an eine Poolbar setzen ... (fängt an zu schwärmen)

Also deine geleistete Arbeit bei „Star Trek Countdown“ ist echt gelungen.
Danke!

Extrem gut ist die ganze Weltraumarbeit wie zum Beispiel die ganzen Raumschiffe und Planeten, aber wo hast du denn dafür geübt, wenn du davor vorwiegend nur Erotik-Sachen gemacht hattest? Sind Planeten erotisch?
Nein, also ich denke der Weltraum könnte schon erotisch sein. Mir hat es super gefallen den Weltraum zu zeichnen. Jedes Panel mit Weltall war entspannend und somit auch irgendwie erotische. Ich mag das. Deswegen habe ich auch Mike Johnson gesagt, er soll so viele Weltallszenen wie möglich in die Story einbauen.

Das ist toll. Ich mag das! Hat echt Spaß gemacht den Comic zu lesen und sich die Bilder anzuschauen! Liegt es eigentlich in deiner Macht den Geschichtsverlauf zu ändern?
Ich mag die Story, aber ich habe auch das Recht den Verlauf zu ändern. Natürlich war es nicht einfach die Geschichte zu ändern, schließlich ist sie eng mit dem Film verbunden. Aber wir (Editor, Autor und Zeichner) waren wirklich ein Team. Deswegen kann ich auch manchmal an der Story mitarbeiten. Zwar nicht an den wirklich wichtigen Sachen, sondern eher an Details, die ich dann im Comic zeichne.

Dein Comic besitzt angenehmes Gleichgewicht zwischen Fotorealismus und Comicgrafik. Wir können einerseits sehr gut Spock erkennen, aber andererseits benutzt du das Medium Comic.
Ja! Danke dir! Ich bin sehr geschmeichelt. Bevor ich überhaupt anfing diesen Comic zu zeichnen, stellte ich mir die Frage: Was mag ein „Star Trek“-Fan an einer Comicadaption überhaupt nicht? Was mag ich an Comics nicht? Zu viele Fotos und steife Figuren. Zu viele Vorlagen können den Charakter dämpfen, sie können den Künstler in seiner Arbeit hindern. Man kann sich nicht frei fühlen und mit den Charakteren arbeiten. Aus diesem Grund bevorzuge ich es erst einmal viele Skizzen über den Hauptcharakter anzufertigen, wie zum Beispiel über Nero und Spock. Ich habe mir also zuerst Fotos der Schauspieler kommen lassen und dann die Skizzen angefertigt. Ich schickte das Foto zu den Leuten von Paramount und diese schicken sie wiederum zu den Schauspielern, so dass ich frei von den Szenenfotos arbeiten konnte. Ich bevorzuge es sehr so zu arbeiten, da ich nur in den wenigsten Fällen auf das Foto angewiesen bin. Manchmal benutze ich das Foto für die Darstellung der Emotionen, da bei gewissen Gefühlen sich unser Gesichtsausdruck stark verändert

In Deutschland betreiben sehr viele Comiczeichner kommerzielle Arbeit um ihren Lebensunterhalt zu sichern und kümmern sich ums Comiczeichnen nur in ihrer Freizeit. Machst du das auch?
Ja, ich zeichne Comics um Geld zu verdienen. Früher erledigte ich andere Arbeiten wie die eines Grafikers oder eines grafischen Ideengestalters. Heutzutage kann ich nur von Comics leben.

Und das gut?
Ja ziemlich.

So richtig mit einem Ferrari in der Garage?
Nicht in der Garage, sondern unter der Erde. Eine Art Bunker ohne Fenster ... aber nicht schlecht nicht schlecht eben. Es geht mir wirklich gut.

Du als „Star Trek“-Künstler: Magst du den neuen Film?
So weit wie ich ihn gesehen habe, mag ich ihn echt gerne, da er viel näher an meiner persönlichen Sicht der Dinge ist. Er ist viel dynamischer, einfach sexy und viel grausamer. Ich war echt überrascht als ich zum ersten Mal den Skript gelesen habe, weil von all den eben genannten Dingen echt viel dabei ist. Es ist dunkel, grausam und dynamisch. Mir hat der Film echt gefallen! Ich denke auch, dass der neue Film viel näher am aktuellen Geschmack des jungen Publikums angelegt ist.

Oh also wenn du so dunkle Sachen magst, dann sollte ich wohl aufhören dir ständig tolle Komplimente über deine Arbeit zu machen und sollte wohl „beschissen“ sagen. Das wäre viel aggressiver. Vielleicht hätte unser Interview dann mehr Tempo und viel mehr Gewalt. Wäre das nach deinem Geschmack?
Dann würden wir anfangen gegeneinander zu kämpfen!

Genau!
Hey das wäre echt cool! Fantastisch! Ich mache seit fünf Jahren Kung-Fu und seit drei Jahren Judo mit den Trainer der italienischen Mannschaft. Bist du dir da auch ganz sicher?

Ich habe Football gespielt, ich bin an den Schmerz gewohnt.
Perfekt!

Jep, wäre ein perfekter Wettkampf!
Absolut! Fantastisch!

Ich denke wir können sagen, dass das Buch großen Erfolg hier in Deutschland feiert. Weißt du wie gut sich der Comic in Amerika verkauft? Hast du da Zahlen?
Das Buch verkauft sich echt gut. Die erste Auflage ist komplett ausverkauft. Ebenso das Trade. Nun gehen wir in den zweiten Druck. Das Buch wurde auch im iTune zum Download angeboten. Mein Chef sagte mir, dass es 10.000 mal runter geladen wurde. Also es läuft echt gut.

Dein nächster Vertrag ist bereits unterschrieben?
Ich arbeite bereits an neuen Sachen ...

Wird es etwas neues von der neuen Enterprise-Mannschaft geben?
Nein, aber es wird etwas im Umfeld des Films „Countdown“ sein und gleichzeitig arbeite ich an einem Buch über Spock. Es ist eine Verbindung zwischen seiner Rolle in der „Next Generation“-Episode „Wiedervereinigung“ und seiner Rolle in „Countdown“. Somit arbeite ich momentan an zwei „Star Trek“-Büchern. Es ist echt hart, aber Schlaf wird überbewertet (schmunzelt nach knapp acht Stunden am Signiertisch)!

Magst du es in den folgenden Comics grafisch etwas absolut Neues zu versuchen?
Ja.

Und was?
Ich mag es sehr, etwas Neues und Anderes zu versuchen. Manchmal fürchte ich, dass die Fans es nicht sehr schätzen werden, aber meistens haben sie meine Versuche gemocht. Als ich die Gorn-Story gezeichnet habe, versuche ich viele verschiedene Stile umzusetzen, viel comichafter mit gemalten Hintergründen zu zeichnen. Man gibt mir viel Freiheit um zu experimentieren.

Die Grafik ist okay, Erotik nicht?
Grafik ist seit Countdown okay. Davor war es nicht sonderlich gut. Jetzt beginnen sie etwas Grafik zu akzeptieren. Ich bin sehr optimistisch, dass ich im nächsten Mini etwas Sex ...

Auf dem Holodeck?
Nee, ich bevorzuge eher heiße Szenen auf Vulkanen oder etwas Hartes mit Klingonen.

Mehr Raumschiffe?
Sehr viele Raumschiffe! Ich weiß, dass es im nächsten Buch sehr viel Kampf und sehr viele Raumschiffe geben wird. Ich bin ein klein wenig enttäuscht darüber, da die meisten Macher hinter „Star Trek“ viel mehr wie beim großen Filme machen denken, anstatt wie bei einem Comic. Ich habe alle gezeichnet als wäre es ein riesiger Blockbusterfilm.

Jep das stimmt. Dein Comic sieht auch aus wie ein Blockbusterfilm!
Danke! Ich bin (seufzt) ich bin echt geschmeichelt!

Das Publikum, wie hat es auf deinen Comic reagiert?
Viele Leute lieben Spock. Ich kann echt verstehen warum.

Hättest du dich mehr auf Spock vorbereiten sollen? Mehr Skizzen von Nimoy machen sollen?
Oh nein, spätestens nach den ersten Signierterminen konnte ich Spock mit verbundenen Augen zeichnen.

Sehe ich da, das deine Ohren schon etwas spitzer werden?
Nein, aber ich habe meinen Kopf rasiert, um so auszusehen wie Nero und um etwas an meinem Sexappeal zu arbeiten.

Hier in Bonn gibt es einen netten Tattoo-Laden!
Eine gute Idee, aber ich bin mir nicht sicher ob meine Freundin mit meinem tätowierten Gesicht leben könnte. Ich denke es könnte meinen Sexappeal verbessern.

Aber man, wir wollten doch zum aggressiven Teil wechseln! Wäre ein größerer Spaß! Magst du etwas den Leuten da draußen mitteilen? Etwas, dass tief in deinem Herzen schlummert?
Hm, ich weiß nicht. Vielleicht: Habt Spaß mit dem Comic und dem Film. Ich mag es, wenn dir Leute echten Spaß beim Lesen unserer Geschichte haben.

Ich bedanke mich recht herzlich für das Interview. War echt toll dich getroffen zu haben und ich hoffe dich bald wiederzusehen!
Dankeschön! Machen wir das jetzt noch mit dem Kämpfen? Ich würde dir gerne mein Karate zeigen.